Neugestaltung eines Shohin-Shimpaku

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Ein Chinesischer Wacholder als Kleinbonsai wird in der Wachstumsphase im Juni umgestaltet. Welcher Ast wird zu Jin, wo entsteht Raum — es ist eine Folge von Entscheidungen, bei der durch Verdichten der Stammverlauf hervorgehoben wird. Die Vollendung liegt nicht im heutigen Tag, sondern in dem, was kommt, nachdem der Baum getrocknet ist.

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Das Muster lag schon im Stamm

Welcher Ast wird zu Jin? Wo entsteht Raum? Die Antwort auf diese Fragen findet sich nicht im Lehrbuch. Sie liegt bereits im Baum selbst.

Umgestaltung bedeutet nicht, von außen eine Form aufzuzwingen. Es ist die Arbeit, das im Material schlummernde Muster sichtbar zu machen. Äste entfernen, Jin gestalten, mit Draht den Winkel korrigieren — jede einzelne Entscheidung ist auch ein Akt des Lesens: «Wie bewegt sich dieser Baum?»

Die Entscheidung, etwas länger zu schneiden

Äste, die zu Jin werden sollen, werden stets etwas länger geschnitten. Kürzen lässt sich immer noch — was zu kurz geschnitten ist, lässt sich nicht rückgängig machen. In dieser schlichten Tatsache liegt das Wesen der Umgestaltung.

Im Juni saugt der Baum kräftig. Deshalb jetzt, in diesem Moment, mit der Totholzzange die Rinde ablösen. Die Jahreszeit lesen, im Rhythmus des Baumes arbeiten — vielleicht gibt es eigentlich keine Arbeit, die sich «jederzeit» erledigen ließe.

Je kompakter, desto stärker wirkt der Stamm

Der Leitgedanke dieser Umgestaltung ist einer einzigen Idee verpflichtet: durch Verdichtung den Stammverlauf hervortreten lassen. Das Entfernen von Ästen, das Ausrichten der Winkel mit Draht — alles zielt auf diesen einen Punkt.

Raum ist nicht dazu da, etwas wegzunehmen. Er ist dazu da, das Verbliebene sichtbar zu machen. Erst jenseits des Weglassens tritt die Zeit des Stammes ans Licht.

Dem Rhythmus des Baumes folgen

Auch wenn die heutige Arbeit beendet ist, ist der Baum noch nicht getrocknet. Das Einarbeiten des Musters kommt danach. Keine Eile. Der Zustand des Baumes zeigt, was als nächstes zu tun ist — diese Reihenfolge nicht zu stören, das ist der Kern dieser Arbeit.

Umgestaltung ist eine Reise, die sich nicht an einem Tag vollendet. Die heutige Arbeit ist auch ein Übergeben von Fragen an den Baum — Fragen, deren Antworten erst in einem halben Jahr, in einigen Jahren sichtbar werden. Die Antwort wächst noch, still, an den Astspitzen.

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