Der Weg zur Taikan-ten
Taikan-ten, im Miyako Messe in Kyoto. Für Koji Hiramatsu ist dies der Ort, an dem er jedes Jahr seine Arbeit der Welt präsentiert.
Doch der wahre Beginn einer Ausstellung liegt nicht im Veranstaltungsort. Vom Auftragen des Mooses eine Woche zuvor über das nächtliche Beladen bis zum Aufbau am nächsten Morgen — das Ergebnis entscheidet sich auf dem Weg dorthin.
Die Ästhetik des „Baumes beim Teetrinken”
Die Hauptrolle spielt diesmal eine Japanische Rote Kiefer im Literati Style – ein über mehrere Jahre hinweg gestaltetes Werk, das in einem Shiro-Kochi-Topf Platz gefunden hat.
„Es ist kein Baum mit überwältigender, imposanter Präsenz” – so ist der Literati Style beschaffen. Die Menschen vergangener Zeiten sollen bei solchen Bäumen gesagt haben: „Das ist ein Baum, bei dem man Tee trinken kann.” Der Sensei selbst sagt, er habe diese Meisterschaft noch nicht erreicht – doch dieser Baum besitzt etwas, das man „mit dem Blick des Genießers betrachten” muss. Er steht still und ruhig da, und man möchte in seiner Nähe verweilen – diese Art von Schönheit trägt der Literati Style in sich.
Die Äste nicht zu stark zurechtstutzen. Die Blüten leicht in ihrer natürlichen Unordnung belassen, um das natürliche Erscheinungsbild zu wahren. Die Bewegung des natürlichen Shari ist vom Menschen nicht nachzuahmen – daher ist das Urteilsvermögen, nicht zu viel einzugreifen, der Kern der Ästhetik. Bis wohin man gehen kann, bevor es „zu viel” wird – das Erkennen dieser Grenze ist vielleicht etwas, das man im Laufe vieler Jahre erst entwickeln muss.
Das Auftragen des Mooses — die entscheidende Woche
Eine Woche vor der Ausstellung. Koji Hiramatsu nimmt das Moos in die Hände. Nicht am Vortag, nicht am Tag der Ausstellung selbst – eine Woche zuvor muss es sein. Denn die Zeit, die das Moos nach dem Aufbringen zum Einwachsen benötigt, bestimmt die Schönheit des Endergebnisses.
Er drückt es mit der Fingerkuppe flach und verteilt es gleichmäßig über die Oberfläche des Topfes. Nicht klumpig aufgehäuft, sondern natürlich, als würde es im Boden verwurzeln. Die Verbindungsstellen werden mit der Fingerkuppe eingedrückt, sodass die Nähte unsichtbar werden und sich das Moos nahtlos einfügt. Diese stille, handwerkliche Arbeit bestimmt letztlich das Erscheinungsbild des Baumes auf der Ausstellung.
Der Erfolg entscheidet sich durch konsequente Vorbereitung
„Der Wettkampf ist durch die Vorbereitung bereits entschieden. Wenn etwas nicht verkauft wird, bedeutet das, dass das eigene Urteilsvermögen unzulänglich war.” – Er lädt rund fünfzig Bäume ins Auto und fährt nachts die Straße entlang, um am nächsten Morgen in der Miyako Messe die Ausstellungsregale aufzubauen. Die Entschlossenheit des Sensei ist bereits unerschütterlich.
Vor dem glänzenden Bild der Ausstellung stehen dieser Transport, das einwöchige Auftragen von Moos und die jahrelange Gestaltungsarbeit. Was man sich auch am Tag der Ausstellung noch vornimmt – es ist bereits zu spät. Alle Antworten liegen schon in der angesammelten Zeit.
Die Ausstellung ist auch ein Ort, an dem man das Gestaltete der Welt zur Beurteilung stellt. Bewertet wird nicht das Auftreten am Tag selbst, sondern die Gesamtheit der bisherigen Bemühungen – darin liegt der Stolz des Handwerkers.
Als eine Reise ohne Ende
„Bonsai endet nicht, bis man stirbt” – diese Reise hat kein Ende.
Nächstes Jahr wird er erneut Moos auftragen, wieder nachts fahren, wieder zur Miyako Messe aufbrechen. Was wie eine ständige Wiederholung erscheint, ist dennoch anders: die Bäume sind anders, die Jahreszeiten sind anders, und auch das eigene Auge verändert sich allmählich. Es ist keine Arbeit, die auf Vollendung abzielt, sondern eine Arbeit, bei der man eine Reise ohne Vollendung genießt – das könnte das wahre Wesen von Bonsai sein.