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Wir folgen der Wurzelbehandlung zweier Bäume: Dreispitzahorn und Chinesischer Wacholder. Wie die angesammelten Jahre sich in der Form der Wurzeln zeigen, was es bedeutet, kräftige Wurzeln zu kappen — und dass die eigentliche Frage erst nach dem Umtopfen beginnt. Eine Arbeit im Februar, kurz bevor die Knospen anschwellen.
In dem Moment, in dem man den Baum aus der Schale hebt, erzählen die Wurzeln alles. Die Wurzeln des Dreispitzahorns sind reich an Feinwurzeln, während kaum kräftige Dickwurzeln herangewachsen sind. Das liegt nicht daran, dass die heutige Arbeit besonders gut gelungen wäre. Es ist das Ergebnis wiederholten Umtopfens — so hat sich die Wurzel über die Zeit geformt.
Der gegenwärtige Zustand der Wurzeln ist der Ausdruck einer langen Zeit. In der Schale liegen die angesammelten Jahre.
Beim Lockern der Wurzeln treten kräftige Wurzeln ans Licht. Solche Wurzeln werden konsequent geschnitten. Lässt man sie gewähren, zieht diese eine Wurzel alle Kraft an sich, und das Gleichgewicht des gesamten Baumes gerät ins Wanken — weil man das weiß, setzt man die Schere ohne Zögern an.
Beim Dreispitzahorn lässt man die Wurzeln etwas großzügiger stehen, beim Chinesischen Wacholder mehr als bei den Laubgehölzen. Zwischen «beherzt lockern» und «behutsam lockern» zu unterscheiden kommt nicht aus Angst oder übertriebener Vorsicht, sondern aus dem Verständnis für jeden einzelnen Baum. Der Chinesische Wacholder ist eine so widerstandsfähige Baumart, dass sie sich sogar per Steckling vermehren lässt. Weil man weiß, dass man ihn nicht übermäßig schonen muss, wird die Hand von selbst großzügiger.
Die Wurzelbehandlung ist abgeschlossen, der Baum sitzt in der Schale — doch dahinter wartet die eigentliche Frage.
Hat man die Wurzeln geordnet und den Baum in neue Pflanzerde gesetzt, verändert sich der Wasserfluss in der Schale. Der Rhythmus, in dem die Erde trocknet, ist ein anderer. Wer diese Veränderung nicht bemerkt und einfach weiter gießt wie bisher — genau darin liegt die eigentliche Gefahr.
Die Wurzelbehandlung ist kein Abschluss, sondern der Beginn einer neuen Beobachtung. Vor dem frisch umgetopften Baum gießt man mit einem etwas anderen Blick. Ob man diese Veränderung wahrnimmt oder nicht — das scheint mir wichtiger zu sein als jede Technik.
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