Pfropfen einer Chojubai

Mittelstufe: Uma Formgebung / Gestaltung

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Als ein Chojubai-Ast zu lang gewachsen war, entschied sich Koji Hiramatsu für das Pfropfen. Die Wahl des Edelreises, der keilförmige Schnitt, das Ausrichten des Kambiums – hinter jeder Entscheidung steht das Bild des Baumes in einigen Jahren. Wenn alles getan ist, was in Menschenhand liegt, überlässt man den Rest dem Baum. Eine Arbeit, die Ende Februar verrichtet wird, kurz bevor die Knospen zu treiben beginnen.

12:02
Uma / Fune
Veredelung ★★★ ★★★ Chojubai Winter

Den Blick nach vorn richten – bei einem Ast, der zu lang gewachsen ist

Wenn man bemerkt, dass ein Chojubai-Ast zu lang und gestreckt gewachsen ist, denkt man vielleicht zuerst ans Schneiden. Doch Koji Hiramatsu entschied sich nicht für den Schnitt.

Nicht das Problem beseitigen, sondern zuerst die gewünschte Form entwerfen. An der Stelle, die man kompakter gestalten möchte, einen neuen Ast neu konzipieren – die Möglichkeit des Pfropfens beginnt genau dort. Wo soll der Ast sitzen? Erst wenn man sich das Bild des Baumes in einigen Jahren vorstellt, setzt man die Hände in Bewegung.

Für eine höhere Anwachsrate

Als Edelreis wählt man nicht einen braun verholzten Trieb, sondern einen jungen, grünlich schimmernden. Einen kräftigen, vitalen Teil. Der Schnitt erfolgt keilförmig – die Unterseite breit für eine große Kontaktfläche, die Oberseite schmal. Die Einsetzposition liegt nicht mittig, sondern am Rand, leicht schräg. Das Fixierband wird so sorgfältig gewickelt, dass das Edelreis sich nicht im Geringsten bewegt.

Es folgt eine Reihe feiner Entscheidungen, doch der Blick ist stets auf einen einzigen Punkt gerichtet: das Kambium – jene dünne Schicht direkt unter der Rinde, die Nährstoffe transportiert. Wie lassen sich diese Schichten möglichst eng aneinanderfügen? Nur daran wird gedacht. Warum dieser Winkel, warum die Platzierung am Rand – jede Entscheidung leitet sich aus diesem einen Punkt ab.

Der Baum gibt die Antwort

Die Fixierung ist abgeschlossen, das Band versiegelt, der Baum ins Gewächshaus gebracht. Diese Arbeit, ausgeführt kurz bevor die Knospen zu treiben beginnen – Ende Februar bis Anfang März –, mündet von hier an in ein langes Warten.

Ob das Reis angewachsen ist, kann kein Mensch beurteilen. Erst wenn ein neuer Trieb das Band durchbricht und hervortritt, weiß man es. Bis dahin heißt es einfach warten. Eile ist zwecklos, und es gibt keine Möglichkeit, es vorher zu prüfen.

Die Antwort des Baumes so annehmen, wie sie kommt. Das ist vielleicht keine Geduld, sondern Vertrauen in den Baum.

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