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An einem Japanischen Fächerahorn von 60 bis 70 Jahren wird das Knospenzupfen im frühen Frühling vorgenommen. Indem man die Spitze kappt und nur die zwei Blätter nahe der Astbasis stehen lässt, wird das weitere Ausdehnen des Knotenabstands gestoppt und die Feinheit des Astes bewahrt. Je öfter diese Arbeit Jahr für Jahr wiederholt wird, desto mehr Tiefe gewinnt der Ausdruck des Astes, ganz allmählich.
Mit dem Frühling erwacht der Japanische Fächerahorn auf einen Schlag. Was gestern noch eine Knospe war, ist am nächsten Tag bereits ein Ast. Diesem Drang einfach nachzugeben — das verlockt nicht nur den Baum, sondern vielleicht auch uns.
Und doch setzen wir die Schere an die frisch treibende Spitze. Den Schwung unterbrechen. Nicht das Wachstum antreiben, sondern entscheiden: Hier endet es.
Die Feinheit eines Astes entscheidet sich im Knotenabstand — der Länge der Achse zwischen zwei Blättern. Je kürzer er bleibt, desto dichter und zarter wird der Ausdruck des Astes.
In dem Moment, in dem wir die Spitze kappen, ist der bisherige Knotenabstand festgeschrieben. Wächst der Trieb weiter, dehnt sich auch der Knotenabstand immer weiter aus — deshalb schneidet man jetzt. Der Zeitpunkt bestimmt den Knotenabstand, und der Knotenabstand bestimmt das ganze Leben des Astes.
Einem Japanischen Fächerahorn von 60 bis 70 Jahren gegenüberzustehen und zunächst drei Äste nebeneinander zu legen — die unterschiedlichen Längen, die Unterschiede im Knotenabstand mit den Augen zu erfassen —, bevor sich die Hände in Bewegung setzen.
Die Spitze wird geschnitten, nur die zwei Blätter nahe der Astbasis bleiben. Bei weichen jungen Trieben schadet es dem Ast weniger, sie behutsam mit den Fingern abzuzupfen als mit der Schere. Ein Ast nach dem anderen. Ohne Zögern, aber mit Sorgfalt.
Auch wenn diese Arbeit abgeschlossen ist, geht der Dialog mit dem Baum weiter. Im Sommer, wenn die Blätter sich voll entfaltet haben, folgt der nächste Schritt: von zwei Blättern auf eines reduzieren oder die Blätter selbst schneiden — der Blattschnitt. Das Knospenzupfen im Frühling ist nur der Einstieg in eine zusammenhängende Abfolge.
Jedes Jahr dasselbe wiederholen. Das klingt vielleicht nach einer nüchternen Angelegenheit.
Doch wenn sich diese Schritte über viele Jahre ansammeln, wird der Ast feiner, dichter, gewinnt Tiefe. Jedes Mal, wenn man das unmittelbare Wachstum zurückhält, erarbeitet sich der Ast nach und nach die Zartheit des nächsten Jahres.
Ein einziger Schnitt mit der Schere in diesem Frühling lebt im Ast zehn Jahre später noch fort. Wenn man das bedenkt, bekommt diese stille Arbeit ein ganz anderes Gewicht.
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