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Chinesischer Wacholder im Mai. Das Drahten der Rückäste und die Gestaltung des Astpolsters schreiten voran — den Herbst-Präsentationstisch stets im Sinn. Das Toya wird entfernt, und bis zur Kronenpartie des Baumes, der sich mitten in einer Umgestaltung zur umgekehrten Vorderseite befindet — schon im ersten Wickel um das Laub herum hat der Herbst begonnen.
10. Mai. Die Gestaltung des Chinesischen Wacholders verlagert sich auf den Rückast. In dieser Jahreszeit, wenn das Toya — das vergilbte, abgestorbene Laub — sich gerade zu zeigen beginnt, möchte man möglichst viel Blattmasse erhalten. Denn die Herbstpräsentation trägt man schon jetzt im Sinn.
Die Platzierung des Rückasts ist im Grunde einfach. Er soll sich zwischen den vorderen Ästen einordnen — an diesem einen Grundsatz hält man sich zunächst fest. Die feineren Entscheidungen kommen danach von selbst.
Man führt den Draht behutsam um das Laub herum, Zweig für Zweig. Mit diesem ersten Wickel legt man die Richtung des Astes fest, und damit auch die Linie des Astpolsters. Ob man den Draht von unten oder von oben ansetzt, bestimmt die Wickelrichtung — auch das ist bereits entschieden, bevor der erste Wickel beginnt.
Eile ändert nichts. Wer den Anfang sorgfältig setzt, dem antwortet das Weitere von selbst. Das freie Ende am Wickelabschluss lässt man locker auslaufen, umhüllend und weich. Zu fest ziehen — das kommt nicht infrage.
Wenn vier feine Zweige nebeneinander stehen, lässt man nicht alle stehen. Man lichtet etwas aus, damit die Linie des Astpolsters klar und ruhig wird. Knospen nahe am Astansatz bleiben erhalten, die Spitzen werden geschnitten — die Entscheidung, was man loslässt, bestimmt die Silhouette des Astpolsters.
Beim Totholz an Stamm und Ast ist es nicht anders. Die Rinde des zuvor geschnittenen Astes wird abgezogen, die Spitze leicht zugespitzt. Während man die Form des Baumes jetzt ordnet, gestaltet man zugleich das Schicksal der abgestorbenen Bereiche mit.
An diesem Chinesischen Wacholder sind noch die Abdrücke früherer Drähte zu sehen, die sich eingegraben haben. Der Baum befindet sich mitten in einer Umgestaltung — die Vorderseite wird zur Rückseite gemacht. Man legt den Draht an neuen Stellen an, die jene Spuren umgehen.
Das ist keine Verneinung früherer Arbeit. Diese Spuren sind der Beweis für die Zeit, die in diesen Baum geflossen ist. Dass der Rückast nun eine ausreichende Höhe besitzt — das ist die Grundlage dafür, die Baumkrone in dieser Umgestaltung neu aufzubauen.
Erst wenn die vorderen Linien zu einem gleichmäßigen Bogen geformt sind, füllt man den Raum dahinter aus. Wenn die Kronenpartie sauber ausgearbeitet ist, sagt man: dann erst ist jemand wirklich zum Profi geworden — genau dorthin richtet sich diese Umgestaltung. Die Gestalt, die im Herbst auf dem Präsentationstisch stehen wird, hat in diesem Augenblick bereits begonnen.
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