Shimpaku-Skelettaufbau

Meister: Fune Materialausbildung

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In ein ein- bis zweijähriges junges Chinesischer Wacholder-Rohmaterial aus dem Steckling wird mit Aluminiumdraht die grundlegende Stammkrümmung als Grundgerüst eingebracht. Den stärkeren Draht zu wählen dient nicht der Wirkung, sondern der Kraftübertragung. Dabei auch die Tiefe — vor und zurück — im Blick behalten: der heutige Eingriff formt das Bild des Baumes in einigen Jahren.

Ayumi / Uma / Fune
Drahten Shimpaku Frühling Herbst

Pflegen und Formen

«Einfach wachsen zu lassen ist auch ein Weg» — doch es gibt die Möglichkeit, das Grundgerüst anzulegen, solange das Material noch jung und formbar ist, ein bis zwei Jahre alt.

Einfach gießen, der Sonne aussetzen, dem Rhythmus des Baumes vertrauen. Auch das ist Bonsai. Pflegen und Formen ähneln sich, und doch ist die innere Haltung dabei eine andere.

Den Kräftefluss lesen

Stärkeren Aluminiumdraht zu verwenden dient nicht dazu, «etwas zu zeigen». In dieser Phase der Grundgerüstbildung hat die Kraftübertragung Vorrang vor der Form — ändert sich der Zweck, ändert sich auch der Maßstab für das Werkzeug.

Im 45-Grad-Winkel, mit gleichmäßigen Abständen den Stamm hinaufwickeln. Beim Biegen muss der Draht auf der Außenseite der Biegung anliegen. Nur dann kann er den Druck aufnehmen. Fehlt er dort, entstehen Risse. Draht wird nicht aufgewickelt, um zu fixieren, sondern um Kraft aufzunehmen.

Beim Biegen stets mit beiden Händen arbeiten. Nicht nur nach links und rechts denken, sondern auch die Tiefe — vor und zurück — im Bewusstsein halten. Ein Baum, der nur in einer Ebene liegt, trägt keinen dreidimensionalen Atem in sich.

Die Hand, die drei Jahre vorausdenkt

Nach drei Jahren ist der Stamm zwei- bis dreimal so dick. Die durch den Draht eingebrachten Biegungen sind als unwiderrufliches Grundgerüst in den Baum eingeschrieben.

Der heutige Eingriff formt das Bild von morgen. Deshalb darf man Äste nicht zu eng beieinander lassen. Wenn der Stamm dicker wird, verwachsen sie — die Stammverjüngung (der Fluss der Dicke) gerät durcheinander — man berührt das Heute im Wissen um die Zukunft.

Kabelbinder und Draht gezielt einzusetzen ist keine Bequemlichkeit. «Ist die Biegung erst einmal gesetzt, reicht ein Kabelbinder». Das Werkzeug dem jeweiligen Ziel der Phase anzupassen — das ist eine Entscheidung durch Weglassen, die aus Erfahrung kommt.

Was bleibt, wenn das Überflüssige fällt

Unnötige Äste entfernen, das Ganze kompakt halten. Dadurch tritt die Bewegung des Stammes hervor, die Eigenart des Baumes kommt zum Vorschein. Man fügt nichts hinzu, um den Baum zu gestalten — man lässt das Wesentliche zurück, indem man das Überflüssige abträgt.

Die Biegungen, die jetzt mit dieser Hand angelegt werden, sind in drei Jahren als unwiderrufliches Grundgerüst in den Baum eingeschrieben. Weil man das weiß, steckt in jedem Eingriff eine Absicht.

Formen ist vielleicht ein Dialog mit dem Baum von morgen.

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