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An einem Naruto-Ahorn mit drei Stämmen nach dem Blattschnitt werden Formschnitt und Drahten vorgenommen. Wann man einen starken Ast noch stehen lässt, wie man bei Laubgehölzen den Draht zieht statt biegt, und die Haltung, vor dem Schnitt den Grund zu prüfen — all das lässt sich an einem einzigen Ahorn nachvollziehen, im besonderen Zeitgefühl der Laubgehölz-Bonsai-Pflege.
Ein entlaubter Naruto-Ahorn zeigt sich ehrlich. Die Verzweigung, die Dichte der Räume, der Stammverlauf — all das, was sonst hinter den Blättern verborgen liegt, tritt offen zutage. Nach dem Blattschnitt beginnt man damit, die richtige Vorderseite zu wählen. Eine andere Seite als die, die der ursprüngliche Gestalter gewählt hatte — begleitet von einem einzigen Satz: «Diese gefällt mir besser.»
Das ist mehr als Geschmack. Man wählt die Seite, auf der die Räume und der Fluss des Dreierstamms am stärksten wirken — eine Entscheidung, die nicht das Sichtbare, sondern den unsichtbaren Raum liest.
Da ist ein Ast, den man kürzen möchte. Und doch: noch nicht jetzt. Starke Äste sind auch Transportwege für Nährstoffe — lässt man sie stehen, fließt Energie weiterhin in die feinen Äste, die man später nutzen möchte. Nicht weil man den Baum schonen will, sondern weil man den Zusammenhang versteht und bewusst eine Grenze zieht: bis hier, und nicht weiter.
Auch der Umgang mit dem Quirlast wird auf den Winter verschoben. In dieser Jahreszeit zwingt man keine Entscheidung herbei. Den gegenwärtigen Zustand des Baumes und die kommende Saison im Blick — «jetzt tun, was jetzt möglich ist». Nicht zu hetzen bedeutet schlicht: sich der Zeit des Baumes anzupassen.
Anders als Kiefern enthalten Laubgehölze wie der Naruto-Ahorn wenig Öl und brechen leicht. Darum geht es beim Drahten nicht um «Biegen», sondern nur um ein behutsames Ziehen und Bewegen. Beim Herabziehen des Stammes wird er mit einem Gummischlauch geschützt, und weil Laubgehölze schnell wachsen, muss man früh bemerken, wenn der Draht einschneidet.
Wer die Eigenschaften des Materials kennt, verändert auch seine Art, mit dem Werkzeug umzugehen — Laubgehölze stellen diese Fragen von sich aus.
Weil er den Stamm überschneidet. Weil er sich kreuzt. Der Grund kommt zuerst, die Schere kommt danach. Erst den Grund prüfen, dann die Hand bewegen — diese Reihenfolge spiegelt sich in der gesamten Haltung gegenüber diesem Baum.
Was einmal geschnitten ist, wächst nicht zurück. Wie tief man sich diese Tatsache wirklich eingeprägt hat, zeigt sich im Gewicht der Schere. Ohne Eile, mit Sorgfalt — und doch irgendwann entscheiden. In dieser Spannung liegt das Wesen der Arbeit, die man Formschnitt nennt.
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