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Welche Schale passt zum Chinesischen Wacholder im Zwillingsstamm nach der Gestaltung? Die Stärke einer Schalenform, der Unterschied im Eindruck je nach Vorhandensein von Ecken, die zurückhaltende Präsenz durch Flachheit – vier Schalen werden nebeneinander an den Baum gehalten und durch Weglassen eingegrenzt. Was es bedeutet, einem Zwillingsstamm eine Schale zuzuordnen – das erkunden wir gemeinsam.
Der Chinesische Wacholder nach der Gestaltung wirkte straffer, seine Äste und Blätter hatten sich verdichtet – er strahlte eine gewisse Würde aus. Doch genau dadurch hatte sich auch das Gleichgewicht mit der Schale verschoben. Je mehr sich der Baum zusammenzieht, desto größer wirkt die Schale. Die ursprüngliche Schale passte nicht mehr.
Bonsai ist nie vollendet. Jede Gestaltung stellt auch die Beziehung zur Schale neu in Frage. Das ist das Wesen der Schalenauswahl.
Vier Schalen lagen als Kandidaten nebeneinander. Die erste, eine Achteckige, wirkte stimmig. Doch ein einziges Wort schied sie aus: ‹Die Schale ist zu stark.›
‹Stark› meint hier weder Größe noch Material. Es ist die Aussage der achteckigen Form selbst – ihre Präsenz – die sich vor den Zwillingsstamm mit hohem Stammansatz drängt. Die Schale soll den Baum zur Geltung bringen, nicht mit ihm konkurrieren.
Für die Zwillingsstamm-Form gelten andere Maßstäbe als für die Geschwungene Aufrechtform. Zwei Stämme verleihen dem Baum bereits eine innere Stärke. Tritt dann auch die Schale mit Nachdruck auf, wird das Gesamtbild zu schwer. Deshalb gilt beim hohen Zwillingsstamm: Die Schale sollte zurückhaltend sein.
In der engeren Wahl verblieben eine flache Längliche Rechteckschale und eine Ovale Schale in Sackform. Beide sind flach und wirken dezent. Hielt man sie nebeneinander an den Baum, war das Gleichgewicht nahezu gleich.
Den Ausschlag gaben die Ecken. Die Längliche Rechteckschale hat vier davon. Die Ovale in Sackform hat keine. Dieser kleine Unterschied erzeugte einen spürbaren Unterschied im Eindruck: ‹Sanftheit› oder ‹Stärke›. ‹Die Schale hat Sanftheit› – was dieses Wort meint, lässt sich weder in Zahlen noch in Logik vollständig fassen. Und doch: Dem Gefühl Worte zu geben – vielleicht liegt darin die Tiefe der Schalenauswahl.
Nicht ‹die passende Schale suchen›, sondern ‹die zu starken Schalen ausscheiden›. Stärke weglassen, Ecken weglassen, Präsenz zurücknehmen – am Ende blieb die Ovale Schale in Sackform übrig.
Wenn sich der Zustand des Baumes verändert, verändert sich auch die Beziehung zur Schale. Jedes Mal innehalten und neu wählen. Schalenauswahl ist keine Frage, die man einmal beantwortet und dann ablegt – sie ist vielleicht eine beständige Schulung des Blicks, der die Veränderungen des Baumes begleitet.
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