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Bevor man Draht an die Äste eines Baumes legt, prägt man sich die Bewegung zunächst mit einem Holzstäbchen ein. Haltung auf Bauchnabelhöhe, 45-Grad-Winkel, von innen nach außen — und als Orientierung der Ausdruck ‹so dünn wie ein Blatt Papier› für die richtige Kraft. So lange wiederholen, bis die Hände von selbst finden. Damit die Hände ausgebildet sind, bevor man an den Baum geht.
Es ist verständlich, dass man beim Drahten am liebsten sofort zum Baum greifen möchte. Doch halten Sie kurz inne. Nehmen Sie einen Holzstäbchen in die Hand, auf Höhe des Bauchnabels. Das ist die Ausgangshaltung.
Es muss kein echter Ast sein. Aluminiumdraht und ein Holzstäbchen genügen, um die Bewegung in den Körper einzuprägen. Bevor man an einen Ort geht, wo Fehler nicht rückgängig zu machen sind, lernen zuerst die Hände. In diesem Gedanken liegt das Wesen der Bonsai-Übung.
Den Ast auf Bauchnabelhöhe halten — das ist die Grundhaltung. Zu hoch oder zu tief, und die Kraft überträgt sich nicht gleichmäßig aus der Körpermitte. Wenn man nicht nur mit den Armen, sondern aus der Körpermitte heraus arbeitet, werden die Hände ruhiger.
Der Winkel beträgt 45 Grad zum Ast. Von innen nach außen, in gleichmäßigen Abständen wickeln. Dieser Winkel dient nicht nur der Optik — er sorgt dafür, dass der Draht die Kraft richtig auf den Ast überträgt. Schon eine kleine Abweichung, und der Draht tut seine Arbeit nicht mehr.
Wie viel Kraft beim Wickeln? Das lässt sich so beschreiben: ‹gerade so, dass ein Blatt Papier dazwischen passt›. Nicht ‹sanft› oder ‹behutsam›, sondern ein Maßstab, den man selbst nachprüfen kann — das ist es, was dieser Ausdruck in die Hand gibt.
Zu fest, und der Draht schneidet in den Ast ein. Zu locker, und der Draht sitzt nicht. Diese Grenze so lange wiederholen, bis die Hände sie von selbst spüren. Das ist Übung.
Solange man mit dem Holzstäbchen übt, kann man so oft wie nötig von vorn beginnen. Egal ob der Winkel nicht stimmt oder die Kraft daneben liegt.
Aber die Spur, die Drahten auf einem echten Baum hinterlässt, verschwindet nicht. Deshalb bewegt man jetzt hier die Hände. ‹Erst wenn das wirklich sitzt› — in diesen Worten liegt eine stille Mahnung an sich selbst, nicht voreilig weiterzueilen.
Hat man das Linkswickeln gelernt, folgt das Rechtswickeln auf dieselbe Weise. So lange, bis die Hände je nach Astrichtung von selbst wählen. Erst dann hat man das Gefühl, wirklich vor einem Baum stehen zu können.
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