Draht anlegen

Mittelstufe: Uma Drahtlegen

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Wir begleiten den Vorgang, bei dem alle Äste einer Japanischen Schwarzkiefer gedrahtet und das Astpolster geordnet wird. Die erste verbindende Windung, der 45-Grad-Winkel, die Auswahl der Äste — jede einzelne Geste, die man als Grundlage bezeichnet, bestimmt den endgültigen Ausdruck des Baumes. Zuerst den Gipfelpunkt festlegen, dann entlang der Kontur entfalten — wer diese Reihenfolge kennt, erlebt, wie sich das scheinbar verworrene Geäst zu ordnen beginnt.

Uma / Fune
Drahten Japanische Schwarzkiefer Winter

Die erste Windung — der Anfang des Drahtens

Das Drahten hat einen Ausgangspunkt. Die erste Windung, mit der zwei Äste «zusammengeführt» werden — gibt es hier eine Lücke, wird der Draht locker, egal wie weit man fortsetzt. Noch so sorgfältiges Weiterwickeln nützt nichts, wenn der Anfang zu nachgiebig war: Der Ast bewegt sich nicht.

Das Wesentliche einer Technik verbirgt sich oft am Eingang. Von wo man beginnt, beeinflusst alles Folgende. Das Drahten der Japanischen Schwarzkiefer zeigt genau das — auf stille Weise.

45 Grad — der Berührungspunkt von Schönheit und Kraft

Beim Wickeln der Spirale hat der Winkel von 45 Grad eine doppelte Bedeutung: die Schönheit des Erscheinungsbilds und die «Wirksamkeit» des Drahtes. Liegt der Winkel zu flach, entweicht die Kraft; ist er zu steil, wirkt es unschön. Genau in der Mitte überlagern sich Schönheit und Funktion auf ruhige Weise.

Hinter dem Grund für Schönheit steckt eine mechanische Gesetzmäßigkeit. Die Nadeln nicht knicken, nicht einwickeln, sondern mit den Fingerspitzen beiseite schieben und vorwärtsschreiten — jede einzelne Geste wird unmittelbar zum Ausdruck des fertigen Astpolsters.

Von einer Stelle: nur zwei Äste

Drei oder vier Äste, die an einer Stelle entspringen, werden ohne Zögern bereinigt. Das ist die Regel für ein schönes Astpolster. Doch es ist mehr als eine bloße Regel.

Indem man das Überflüssige entfernt, beginnen die verbleibenden Äste erst zu leuchten. Die Entscheidung, was man behält, bestimmt die Bedeutung des Verbliebenen. Im Augenblick, in dem der dritte Ast verschwindet, fangen die zwei übrigen an zu sprechen. Im Drahten steckt die Philosophie der Subtraktion.

Zuerst den Gipfelpunkt festlegen

«Zuerst den Gipfelpunkt bestimmen, dann von dort aus entfalten» — diese Reihenfolge ordnet, was zunächst wie ein verworrenes Astgewirr wirkt, auf einfache Weise. Wer das Gesamtbild bereits im Inneren trägt, dem zeigen sich die zu erhaltenden Äste wie von selbst. Wer nicht weiß, wohin er will, weiß auch nicht, was er loslassen muss.

Auch an die feinen Äste kommt der Draht. Gerade weil es schwierig ist, wird es zur Übung. Während sich die Fingerspitzen an die Feinheit der Kiefernäste gewöhnen, wird der Baum selbst zum Lehrer — vielleicht birgt das Drahten genau diese Umkehrung.

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