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An einer über achtzig Jahre alten Japanischen Schwarzkiefer wird mit einem Werkzeug, das über drei Generationen weitergegeben wurde, eine Stammbiegung vorgenommen. Um die hochgewachsene Baumform in etwas Kompakteres zu überführen – «Ob es gelingt, weiß ich nicht» – tritt Sensei dem Stamm gegenüber. Wie sich die Form festigt, zeigt sich erst im nächsten Winter.
Achtzig Jahre alt, vielleicht hundert. Eine Japanische Schwarzkiefer, die Wind und Wetter in den Bergen getrotzt hat – sie verströmt auch in der Schale eine stille Kraft. Ihr hoher Stammansatz ließe sich durchaus im Literatenstil gestalten. Die schlanke, aufstrebende Silhouette hat ihre ganz eigene Schönheit.
Und doch greift Sensei nach einer anderen Möglichkeit: den Stamm stark zurückzudrängen und die Baumform in etwas Kompakteres zu überführen. «Ob es gelingt, weiß ich nicht» – mit diesen Worten begann die Arbeit.
Für die Stammbiegung kommt eine Jackvorrichtung zum Einsatz, die der Großvater gebaut hat. Sie ging an den Vater über und liegt nun in diesen Händen. Das Werkzeug mag alt sein – doch im Umgang damit gibt es kein Zögern. Denn die über lange Jahre angehäuften Entscheidungen haben sich in die Art seines Gebrauchs eingeschrieben.
Technik ist nicht die Summe von Arbeitsschritten, sondern das Ergebnis von Weitergabe. Ein Werkzeug zu erben bedeutet, die Urteile der Vorgänger gleich mit zu übernehmen – und so trägt diese Maschine die Zeit von drei Generationen in sich.
Beim Biegen des Stammes fixiert Sensei den Hebelpunkt nicht. Er verschiebt ihn allmählich und verteilt so die Belastung. «Keine Konzentration auf eine einzige Stelle» – dieser Satz klingt nach Physik, scheint aber zugleich auf etwas Größeres zu verweisen. Nicht auf Ergebnisse drängen. Die Kraft nicht in einem Punkt bündeln. Nur so schützt man sowohl den Baum als auch denjenigen, der an ihm arbeitet.
Und dann: mutig biegen. Bis man das Gefühl hat, es könnte zu weit sein. Vorsicht und Kühnheit wohnen in derselben Bewegung zusammen – in diesem scheinbaren Widerspruch liegt der Kern der Stammbiegung.
Dass ein Ast mit Totholz beim Biegen reißt, ist einkalkuliert. Für die Kiefer ist ein leichtes Reißen kein Problem – in diesen Worten schwingt ein tiefes Vertrauen in den Baum mit. Die Wunde wird mit Wundverschlussmittel behandelt, und im nächsten Winter schaut man neu hin. Die heutige Arbeit führt zu keinem Abschluss – und es besteht auch kein Grund, einen zu erzwingen.
«Ob es gelingt, weiß ich nicht – aber ich versuche es.» Diese Haltung ist es, die einen echten Umgang mit einem Material bedeutet, das hundert Jahre gelebt hat. Die Hand bewegt sich weiter, während die Frage offen bleibt – was dabei entsteht, zeigt sich erst im nächsten Winter.
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