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Gemessen am langen Leben eines Bonsai ist die Zeit, die ein Mensch mit ihm verbringt, kaum mehr als ein Augenblick — und dennoch begegnet man ihm mit ganzer Kraft und gibt ihn im besten Zustand an die nächste Generation weiter. Koji Hiramatsu blickt auf 35 Jahre als Bonsai-Meister zurück: die Entschlossenheit des Handwerkers, das Streben nach dem Daibokukan und der Wunsch, sein Können weiterzugeben.
Die Zeit, die man selbst mit einem Baum verbringt, ist aus Sicht seines langen Lebens kaum mehr als ein Augenblick. Für einen Bonsai, der hundert oder zweihundert Jahre weiterlebt, gleicht die Begegnung mit einem einzigen Menschen einer kurzen Rast auf einer langen Reise.
Umso mehr stellt sich die Frage: Wie lebt man diesen «Augenblick»? Solange Leben in ihm ist, ihn in bestem Zustand an die nächste Generation weiterzugeben — diese Aufgabe hat Sensei still und entschlossen auf sich genommen. Wenn man seinen Händen bei der Arbeit zusieht, spürt man das Gewicht dieser Worte ganz allmählich.
Im Kern dessen, was Sensei vom Bonsai erwartet, steht das Wort Daibokukan — das Gefühl eines gewaltigen Baumes. Auch wenn er in einer kleinen Schale steht: Er soll die Ausstrahlung eines Urwaldriesens tragen. Wer ihn betrachtet, soll das Gefühl haben, vor einem mächtigen Baum zu stehen. Das ist ein Maßstab der Schönheit, den man erst nach langem Aufbau von Können erreicht.
Wie gelangt man dorthin? Man schaut genau hin, wie erfahrene Meister arbeiten, und ahmt sie präzise nach. Schauen, nachahmen, wieder schauen. In dieser Wiederholung prägt sich das Wissen langsam in die Hände ein. Eile ist nicht möglich.
Die Bonsai-Arbeit ist ein Wettbewerb allein auf der Grundlage des Könnens. In einer Welt, in der nur die Fertigkeit zählt, ist das Streben nach dem Höchsten das eigentliche Wesen des Handwerkers — in Senseis Worten liegt diese klare, stille Entschlossenheit.
Auch der Grund, eine Online-Schule zu beginnen, liegt in dieser Haltung. Technik lässt sich nur vermitteln, wenn man sie sehen kann. Jeden einzelnen Handgriff im Bild festhalten und genau zeigen — das ist der erste Schritt der Weitergabe.
Es gibt den Ausdruck Shu-Ha-Ri. Zuerst bewahren. Die Form annehmen, die Arbeit erfahrener Meister genau nachahmen. Das ist keine bloße Imitation, sondern das Übernehmen einer über lange Zeit angesammelten Weisheit — in die eigenen Hände.
Die Zeit, die man selbst mit dem Bonsai verbringt, ist nur ein Augenblick in seinem langen Leben. In diesem Wissen dennoch mit ganzer Kraft dabei zu sein und ihn im besten Zustand weiterzugeben — das ist die stille, aber unerschütterliche Entschlossenheit, die ich hinter Senseis Worten spüre.
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