Midori-Tsumi der japanischen Weißkiefer

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Im April, wenn die Knospen der aus Samen gezogenen Japanischen Mädchenkiefer kräftig austreiben: Man nimmt die Länge des Vorjahreslaubes als Maßstab und bricht die herausstehenden Jahrestriebe mit den Fingern ab — eine werkzeuglose Frühlingsgeste, die man Kerzenzupfen nennt. Die ganzjährige Feinabstimmung von Bewässerung und Düngung ist mit dieser stillen Bewegung untrennbar verbunden.

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Ayumi / Uma / Fune
Beschneiden Grünzupfen Pflege Goyomatsu Frühling

Das Vorjahreslaub wird zum Maßstab des neuen Jahres

Bevor man etwas tut, tritt man einen Schritt zurück und betrachtet den Baum. Wie weit haben sich die Knospen entfaltet? Wie lang blieb das Vorjahreslaub? Das Kerzenzupfen beginnt mit dieser Beobachtung. Die Maßstäbe, die Sensei Hiramatsu anlegt, kommen nicht von außen. «Die Länge des Vorjahreslaubes ist das Ideal für diesen Baum» — der Zustand, den der Baum in einem Jahr aufgebaut hat, wird selbst zum Richtwert für das laufende Jahr. Man misst nicht mit einem Lineal, sondern mit den Augen; nicht nach Skala, sondern nach Erinnerung. Dieses geduldige Beobachten ist die wichtigste Arbeit, noch bevor die Hand sich bewegt.

Das Zupfen mit den Fingern und die Feinabstimmung eines ganzen Jahres

Man sucht nach Jahrestrieben, die über die Kontur des Vorjahreslaubes hinausgewachsen sind, und bricht sie ab, solange sie noch weich sind — mit den bloßen Fingern. Kein Werkzeug ist nötig. Eine schlichte Geste. Doch hinter dieser stillen Bewegung steht die Bewässerungs- und Düngerpflege des gesamten Jahres. Im Frühjahr wird das Gießen zurückgehalten, um das Austreiben zu bremsen; die Düngergaben werden gedrosselt, um das Wachstumstempo zu verlangsamen. Wenn sich das Wachstum gegen Ende des Sommers beruhigt, wechselt man zur anderen Seite: Die Baumkraft wird für den Herbst gesammelt. Das Kerzenzupfen ist ein Takt im Frühling innerhalb dieser ganzjährigen Feinabstimmung.

Diesen Baum kennenlernen

Japanische Mädchenkiefer und Japanische Schwarzkiefer sind beides Kiefern — und doch unterscheiden sich ihre Pflegeansätze von Grund auf. Es gibt die Methode, im Herbst alle Knospen abzuschneiden, doch das ist eine Entscheidung, die nur für Bäume mit ausreichender Baumkraft gilt. Welchen Weg man wählt, hängt davon ab, ob man den Zustand des jeweiligen Baumes wirklich lesen kann. Jedes Jahr den Austrieb betrachten, die Finger anlegen, das nächste Jahr abwarten. In diesem Kreislauf vertieft sich die Zwiesprache mit dem Baum, Schritt für Schritt. Bei der Sämlingsanzucht der Japanischen Mädchenkiefer wurden die Bäume aus dem Samen gezogen. Jeder einzelne trägt seine eigene Geschichte in sich. Wichtiger als das Kerzenzupfen zu «beherrschen» ist vielleicht, diesen Baum zu kennen — das ist, wenn man ehrlich ist, das Wesentliche.

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0 Responses

  1. Could you please explain to me in English what exactly it means to cut off all the buds on a tree? Why would someone do that?

    1. Thank you for your question. First, as a premise: the current length of the old leaves (last year’s leaves) is in optimal balance with the size of this tree.

      So, among the new shoots that grew out in spring, we pinch back the parts that extend beyond the outline of the old leaves, trimming them to match the length of the old leaves. This is called “midori-tsumi” (candle/bud pinching), and it allows us to maintain the silhouette of the tree. Small buds are left alone — the work is done while observing the overall condition of the tree.

      The reason for doing this is a technique called “Tanyo-ho” (short-leaf method). Bonsai need to be cultivated in a compact form, and the smaller the leaves, the more the tree gives an impression of a mature, ancient tree. In addition, without bud pinching, branches tend to elongate and the strength between branches becomes uneven, making it difficult to maintain the tree’s form. Equalizing the vigor of each branch is another key purpose.

      One small clarification: “cutting off all the buds in autumn” is a slight misunderstanding. By autumn, the buds have already developed into leaves. That said, for shoots that have grown too strong, we may remove them — similar to the bud-cutting technique used on Japanese black pine (kuromatsu no mekiri). But we don’t remove all of them.

      1. Thank you very much for the clear and vivid explanation. I now understand the overall concept much better. I’m truly glad and grateful to have you as my teacher and for your great support.