Gründe fürs Drahten

Mittelstufe: Uma Drahtlegen

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Im Drahten der Japanischen Schwarzkiefer steckt eine grundlegende Frage: Warum gestaltet man die Äste überhaupt? Die Spitze zurückhalten, um schwachen Knospen Licht zu geben; den Baum durch beständige Verdichtung als Bonsai erhalten — wir nähern uns in aller Ruhe dem Denken, das der Technik vorausgeht.

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Drahten Einführung Form Japanische Schwarzkiefer Winter

Was zwei nebeneinanderstehende Bäume uns sagen

Eine Japanische Schwarzkiefer, deren Äste sich in alle Richtungen ausbreiten und um das Licht zu wetteifern scheinen, steht neben einer Japanischen Schwarzkiefer, die mit Aluminiumdraht sanft in Form gebracht wurde. Es geht hier nicht darum, welche von beiden «besser» ist. Diese zwei Bäume zeigen uns mit ihrem bloßen Dasein, wie Zeit in der Bonsai-Kunst verläuft.

Die Spitze ist zu stark

Pflanzen haben die natürliche Eigenschaft, an der Spitze am kräftigsten zu wachsen. Überlässt man sie sich selbst, wächst die starke Spitze immer weiter, und weder Licht noch Luft erreichen die ursprünglichen Äste oder die unteren Knospen. Drahten und das waagerechte Ausbreiten der Äste dient nicht nur dem äußeren Erscheinungsbild. Indem man die Spitze bewusst zurückhält, lenkt man das Licht zu den schwächeren Stellen — das ist eine Entscheidung, die dem gesamten Baum zugute kommt.

Darin liegt der Sinn der Gestaltung. Beim Drahten schafft man für jeden einzelnen Ast einen Weg für das Licht — die Gestalt zu ordnen und den Baum zu ordnen ist ein und dasselbe.

Bonsai ist Verdichtung

Ein Baum, der in der Natur lebt, breitet sich auf der Suche nach Licht immer weiter aus. Das ist sein Instinkt, seine Lebensweise, die er über Hunderte von Jahren entfaltet hat. Bonsai bedeutet, diesen Baum in einer Schale zu halten. Überließe man ihn sich selbst, würde er dort nicht bleiben.

Deshalb holt man ihn regelmäßig zurück. Alle drei bis vier Jahre wird der ausgewachsene Zustand auf nahezu null zurückgesetzt — diese Wiederholung bildet das Grundgerüst der Bonsai-Praxis. Es ist keine Arbeit, die zu einem Ende kommt; das Fortführen selbst ist die Arbeit — das zeigen die zwei Japanischen Schwarzkiefern auf stille Weise.

Die Frage vor der Technik

Wo man den Draht ansetzt, in welchem Winkel man einen Ast führt — das sind Fragen der Technik. Doch davor steht eine andere Frage: Wie soll dieser Baum sein?

Die Antwort liegt nicht im Baum selbst. Aber wer den Baum aufmerksam betrachtet, dem erschließt sie sich nach und nach.

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