Topfauswahl und Umtopfen beim zweistämmigen Stil #2

Meister: Fune Umtopfen — Anwendung

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Der Abschluss des Umtopfens eines Chinesischen Wacholders. Vom Gedanken zur Pflanzposition passend zur linksgerichteten Baumform, über die Winkelfixierung mit Draht, bis zum letzten Schritt — dem Auftragen von Schwefelkalkbrühe auf das Totholz. Nachdem Schale und Baum zu einer Einheit geworden sind, beginnen die Wurzeln erst von hier aus, sich zu regen.

Uma / Fune
Substrat Umtopfen Shimpaku Frühling Winter

Wozu dient die Schale?

Am Tag des Umtopfens stellt sich als erstes eine Frage: Wohin in der Schale gehört dieser Baum?

Der erste Ast streckt sich weit nach links. Seinem Bewegungsfluss folgend legt man den Schwerpunkt eher nach rechts in der Schale und lässt links viel Freiraum entstehen. «Der Bonsai ist die Hauptsache, die Schale ist Unterstützung» — der Maßstab für die Positionierung liegt stets auf Seiten des Baumes. Die Schale zu genießen und sich an ihrer Form zu erfreuen ist schön. Doch solange die Entscheidung von dort ausgeht, findet der Baum nie zur Ruhe.

Einrütteln, Eindrücken, Einklopfen

Steht die Position fest, beginnt das Ringen mit der Erde. Man setzt den Baum auf einen in der Schalenmitte aufgehäuften Hügel aus Pflanzerde und schickt die Wurzeln durch seitliches Rütteln tiefer und tiefer hinab. Mit dem Ballen der Finger drückt man die Erde bis in die Ecken, und mit einem Gummihammer klopft man gegen die Schalenwand, um die Vibration durchzuleiten.

Da es diesmal eine flache Schale war, wurde die grobe Drainageerde weggelassen. Ändern sich die Bedingungen, ändern sich auch die Schritte. Es mag so aussehen, als gäbe es eine feste Form — doch vielleicht kann man gerade dann davon abweichen, wenn man diese Form durch und durch kennt.

Den Pflanzwinkel fixieren

Man zieht den Draht senkrecht nach oben und zieht ihn fest, damit sich der Pflanzwinkel nicht mehr verschiebt. In diesem einen Arbeitsschritt verdichtet sich ein wesentliches Prinzip des Bonsai.

Einen Winkel zu bestimmen bedeutet, eine Entscheidung zu treffen. Und ihn zu fixieren bedeutet, diese Entscheidung zu schützen. Bewegt sich der Baum auch nur minimal, bilden sich keine Feinwurzeln. Anwachsen beginnt nur in der Stille der Stabilität. Bewegung zu dulden heißt, die mühsam getroffene Entscheidung wieder loszulassen.

Bis klares Wasser fließt

Man gibt die Deckerde ein und gießt reichlich, bis klares Wasser aus dem Schalenboden tritt. Zum Abschluss trägt man Schwefelkalkbrühe auf den neu geformten Totholzast auf. Die unsichtbare Welt der Wurzeln und die weißen, abgestorbenen Äste, in denen die Zeit stillsteht — beides spiegelt die Jahre wider, die dieser Chinesische Wacholder angesammelt hat.

Auch wenn das Umtopfen abgeschlossen ist, ist damit noch nichts vollendet. Erst jetzt beginnen die Wurzeln, sich auf die nächste Jahreszeit hin zu bewegen. Umtopfen ist die Arbeit, einen Anfang zu bereiten.

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