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Nach dem Umtopfen des Shimpaku in die Schmuckschale beginnt die Jin-Gestaltung. Die Spitzen aufspalten, um natürliche Textur zu erzeugen, die Länge abwägen, mit Kupferdraht die Richtung korrigieren – alles Entscheidungen, die sich nicht rückgängig machen lassen. Vor der Ausstellung setzt sich die stille Zwiesprache mit dem Baum fort.
Ein Shimpaku, gerade erst schräg in die Schmuckschale umgepflanzt. Die Linie der Kaskade steht fest. Doch der Baum wartet noch auf unsere Hände. Die Jin sind noch weich, noch beweglich. Jetzt ist die Zeit, ihnen ihre Form zu geben.
Ritzt man die Spitze ein und spaltet sie auf, treten die Holzfasern an die Oberfläche. Von Menschenhand geschaffen, und doch wie von der Natur verwittert und gebrochen. Der Unterschied scheint klein, ist aber groß. Steht der Baum dann auf dem Ausstellungsregal, spürt das Auge des Betrachters ihn unmittelbar.
Die erste Regel bei der Jin-Gestaltung: im Zweifel lieber etwas länger lassen. Kürzen kann man jederzeit. Doch was einmal abgeschnitten ist, kommt nicht zurück. Gerade bei Shohin-Bonsai fault ein zu dünn belassener Jin innerhalb weniger Jahre. Darum lieber etwas dicker, etwas länger – diese Entscheidung bewahrt vor späterem Bedauern.
Sobald sich die Form abzeichnet, folgt die umgekehrte Entscheidung. Eine Gruppe gleichlanger Jin wirkt irgendwann „nur noch effektvoll". In diesem Moment schneidet man einzelne zurück und schafft Raum. Spannung und Leere – das lasse sich kaum in Worte fassen, sagt er, während seine Hände längst in Bewegung sind. Es ist eine Arbeit, bei der die Worte der Handlung folgen, nicht umgekehrt.
Diesen Jin entlang der Kaskadenform nach unten führen. Es entsteht Raum, und wenn der Jin durch die Lücke zwischen den unteren Ästen sichtbar wird, gibt es einen Moment, in dem man spürt: genau hier. Dieses Gefühl lässt sich kaum in Worte fassen – doch die Hände wissen es bereits.
Kupferdraht verdrillen, bis er fest wird, und als Stütze verwenden. In Kombination mit Abspanndrähten den Jin an die gewünschte Position ziehen. Da er nach dem Fixieren leicht zurückfedert, biegt man ihn etwas weiter, als das eigene Bild es vorsieht. Es gibt kein festes Verfahren – man wählt die Mittel je nach Situation. Aus solch feinen Einzelentscheidungen formt sich nach und nach die Ausstrahlung des Baumes.
„Im immer wieder Sich-Auseinandersetzen" – mit diesen Worten schließt er die heutige Arbeit ab. Letzte Korrekturen vor der Ausstellung, gewiss – doch eine wahre Vollendung ist das noch nicht. Schwefelkalk auftragen, das Wässern unterlassen und dem Jin Zeit geben, langsam weiß zu trocknen.
Ob die heutigen Entscheidungen richtig waren, zeigt sich erst in einigen Monaten. Der Baum nimmt das Geschehene schweigend an und wendet sich bereits der nächsten Jahreszeit zu.
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